Bolivien II
30.11.2009 – 11.7.2010 La Paz
Aufenthalt in La Paz
12.7. – 16.7.2010 La Paz – Ventilla – Tres Ríos – Chuñavi – Lambate – Pasto Grande – La Plazuela
Was für ein Wiederauftakt der Tour! Nachdem mich u.a. Klaus und Cristian bis zur Cumbre de Ánimas begleitet hatten ging es alleine weiter. Nach eine so langen Pause ein eigenartiges Gefühl, ich war aber sehr froh, endlich wieder auf dem Rad unterwegs zu sein. Zunächst ging es über einen 4550m hohen Pass, dann hinunter bis auf 1000m in die subtropischen Yungas. Alles auf sehr einsamen Schotterpisten, täglich begegnete ich nur etwa 4 Fahrzeugen. Immer wieder genoss ich die phantastische Panoramen, auch schöne Zeltplätze gab es zuhauf. Ein Traum für Radfahrer. Es war aber auch sehr anstrengend, nicht nur durch die unzähligen, teilweise sehr steilen Anstiege. Die zweite Nacht war so kalt, dass die Wasserflaschen im Zelt gefroren sind. Tagsüber waren die Temperaturen aber angenehm und der Himmel wolkenlos, so habe ich die Strecke sehr genossen. Wie immer in so entlegenden Gegenden gab es viele kleine Erlebnisse. Da war die Frau, die mich vor den Bären warnte, die Gegend sei sehr unbesiedelt. Bären begegnete ich keinen, dafür aber einigen Rindern, die sich auf der Strasse aufhielten. Eines davon erschrak so sehr als ich um die Kurve kam, dass es über das Gatter (das quer über die Strasse führte, noch ein Indiz dafür, dass es hier kaum Verkehr gibt) sprang und flüchtete. Und als ich eines abends in Pasto Grande, einem sehr verlassenen Dorf von nicht mehr als 6 Häusern, vor meinem Zelt mein Abendessen kochte, kamen zwei Mädchen mit etwas frischem Gemüse für den müden und hungrigen Radfahrer vorbei. Nicht nur das Grünzeug, auch der kleine Hund verblieb bei mir und bewachte die ganze Nacht mein Zelt. In der Gegend rund um Pasto Grande (einschliesslich Cieneguillas und Wara) gibt es angeblich viele interessante und kaum erschlossene Inka-Ruinen, sowohl Behausungen als auch Terassierugen. Mal sehen ob ich mir die Gegend irgendwann etwas näher anschaue. Schliesslich erreichte ich La Plazuela wo ich auch einst nach einer dreitägigen Wanderung von Lambate aus ankam, als die Strasse noch nicht existierte.
Ein paar Bilder
und ein Video:
16.7. – 21.7.2010 La Plazuela – Miguillas – Circuata – Licoma – Inquisivi – Quime
Von La Plazuela aus ging es wieder bergauf ins 1700m höher gelegene Quime. Kein großer Höhenunterschied, da es aber immer wieder hinab zu irgendwelchen Flüssen ging waren es insgesamt sicherlich 3000 Höhenmeter. Oder mehr. Anstrengend aber wieder sehr schön! Der 16. Juli ist Feiertag im Departamento La Paz, und in jedem Dorf hingen Bolivien-Fahnen aus, und die Schulklassen führten Tänze auf. Leider gab es zwischendruch (offenbar in großen Teilen Boliviens oder sogar darüber hinaus) eine heftige Kältewelle mit erheblichem Niederschlag. Zwischen Circuata und Licoma regnete es 36 Stunden pausenlos. Somit verpasste ich einen scheinbar sehr schönen Teil, der sehr der alten Coroico-Strasse ähnelte. Durch den Nebel konnte ich kaum etwas sehen. Ausserdem hatte ich genug damit zu tun, nicht von der rutschigen Strasse abzukommen. Auch das Durchfahren einiger stark angeschwollenen Bäche war mehr als trickreich. Aber irgendwie auch cool. Durchgefroren suchte ich mir schliesslich in Licoma eine Unterkunft und verbrachte den gesamten nächsten Tag mit dem Waschen, Pflegen und Trocknen von Rad und Ausrüstung. Wieder gab es aber natürlich einige Erlebnisse unterwegs. In Circuata habe ich im Regen an einer sehr lehmig-rutschigen Kurve gezeltet. Das halbe Dorf hatte sich dort versammelte, um den LKWs dabei zuzusehen wie sie große Mühe damit hatten, nicht im Strassengraben zu landen. Immer wieder von der einen Seite auf die andere schliddernd schafften es aber die offensichtlich sehr erfahrenen Fahrer allesamt. Und kurz nach Licoma kamen mir zwei identische Autos ohne Nummernschild im Affentempo entgegen. Ganz offensichtlich zwei “autos chutos”, geschmuggelte PKWs, die diese entlegene und unbewachte Strasse benutzen, um die Wagen von A nach B zu bringen. Schon mehrmals hatten mir Anwohner davon erzählt.
Wieder ein paar Bilder
und ein Video:
22.7. – 25.7.2010 Quime – Huayñacota – Konani – Oruro
Zunächst stand ein Pass in der Cordillera Qimsa Cruz an, 4350m mussten überwunden werden, um zurück zum Altiplano zu kommen. Und es wurde härter als erwartet, zusätzlich zur immer dünner werdenden Luft gab es viele Bauarbeiten, die Schotterpiste oft sehr locker, sodass das Hinterrad oft durchdrehte. Zudem war es oft verdammt steil. Sehr anstrengend also. Aber mit immer wieder phantastischen Panoramen. Da es letzte Woche hier viel geschneit hatte waren viele sonst kahle Berge jetzt schneebedeckt, ein toller Anblick. Aber kalt war es. In den beiden Nächten im Zelt musste ich mit allen Kleidungsstücken in den Schlafsack. Erneut sind die Wasserflaschen im Zelt gefroren. Irgendwann bin ich dann aber über den Pass. Und als Ausgleich ging es ab dem Pass auf Asphalt hinunter zum Altiplano. Und die letzten 80 Kilometer bis Oruro hatte ich leichten Rückenwind, flog also regelrecht über die Hochebene. Ein gutes Gefühl nach den vielen Tagen auf Schotter wo ich nur 5-8 km/h im Tagesschnitt fuhr. In Oruro hatte mich die “Zivilisation” wieder, sogar Internet gab es :-) In allen Dörfern bisher gab es, wenn überhaupt, nur ein einziges Telefon, und bei jedem Anruf wurde die entsprechende Person über Lautsprecher ausgerufen.
Wie immer ein paar Bilder:
